Edelstein - Lexikon Granat

Granat, eine Gruppe von verschiedenfarbigen Mineralien mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung. So lautet die Beschreibung für einen der wohl bekantesten roten Edelsteine nach dem Rubin.
Weit weniger Bekannt ist die Tatsache, das der Granat aus einer Gruppe von mehr als 10 verschiedenfarbigen Edelsteinen besteht. Die Farbe Rot kommt zwar am häufigsten vor, doch gibt es den Granat ebenso in verschiedenen Grüntönen, vom zartem bis intensivem Gelb, vom feurigem Orange bis hin zu feinen erdfarbenen Nuancen. Nur die Farbe Blau kann er nicht bieten. Dank des reichen Farbenspektrum machen Granate heute jeden Stil und jeden Farbtrend der Mode bereitwillig mit.


Farbenreichtum beim Granat

Darüber hinaus ist die Welt der Granate auch noch reich an Raritäten wie Sterngranate und farbverändernde Steine, deren Farbe je nach Tages- oder Kunstlicht wechselt. Granate sind relativ unempfindlich und unkompliziert zu verarbeiten. Ihre gute Härte von 7 bis 7,5 auf der Mohs´schen Skala, wenn auch mit kleinen Unterschieden, gilt sie für alle Mitgliedern der Granatgruppe, ist der Grund für die vorzüglichen Trageeigenschaften dieser Edelsteine. Nur harte Stöße und unsachgemäßes Erhitzen lieben sie überhaupt nicht. Ein weiterer Pluspunkt ist die große Lichtbrechung, Ursache für die hohe Brillanz des Granats.

Interessant ist auch die Form der Rohkristalle. Granat heißt ja soviel wie ''der Körnige'' und kommt vom lateinischen Wort ''granum'' für Korn. Dies bezieht sich sowohl auf die typische rundliche Form der Kristalle wie auch auf die Farbe des roten Granats, die oft an die Körner eines reifen Granatapfels erinnert. Im Mittelalter nannte man den roten Granat auch ''Karfunkelstein''.
Granate sind den Menschen seit Jahrtausenden bekannt. Man findet sie im Schmuck aus frühen ägyptischen griechischen und römischen Zeiten. Schon Noah soll, so heißt es, eine Laterne aus Granat benutzt haben, um in dunkler Nacht seine Arche sicher steuern zu können.

Granate haben nicht nur viele Farben sondern auch viele Namen: Almandin, Andradit, Demantoid, Grossular, Hessonit, Hydrogrossular, Leukogranat, Melanit, Pyralspit, Pyrop, Rhodolith, Topazolith, Tsavorith, Spessartin, Uwarowit u.a..

Die wichtigsten und bekanntesten Granate sind der feurig-rote Pyrop und der Almandin. Das temperamentvolle, oft leicht bräunlich nuanciertes Rot des Pyrop war im 18. und 19. Jahrhundert eine viel gefragte Edelsteinfarbe. Er wird auch gerne als böhmischer Granat bezeichnet, da er in Böhmen gefunden wurde. Typisch für den böhmischen Schmuck ist die Anordnung von vielen kleinen Steinen nebeneinander.
Pyrop, als oval facettiert

Die größeren Mittelsteine im böhmischen Schmuck sind meist ebenfalls aus Granat, allerdings gehören diese einer anderen Kategorie an - den ''Almandine'', so genannt nach Alabanda, einer Edelsteinstadt in der Antike. Sie sind chemisch etwas anders zusammengesetzt als der Pyrop. Warum werden sie als Mittelstein verwendet? Ganz einfach: Weil die Natur den Pyrop fast nur in kleineren Größen geschaffen hat, den Almandin dagegen auch in etwas größeren Kristallen hat wachsen lassen.
Der phantastische Fund einer bis dahin äußerst seltenen Granatart verblüffte vor einigen Jahren die Fachwelt. Am Kunene-River wurde überraschend an der Grenze zwischen Namibia und Angola ein Vorkommen von leuchtend orang bis rotem ''Spessartin'' entdeckt, so genannt nach seinem Fundort im Spessart. Früher als reine Liebhaber- und Sammlersteine führten Spessartine bis zur Entdeckung der legendären Mine in Namibia ein ruhiges Schattendasein.
Spessartin Cabochon

Im Schmuckbereich konnten sie wegen ihrer Seltenheit so gut wie nie verarbeitet werden. Seit diesem Fund wurde der orangefarbene Edel-Granat unter der Handels-Bezeichnung ''Mandarin-Granat'' in kürzester Zeit weltberühmt. Leider konnte die Mine in den stillen Bergen Namibias nur wenige Jahre ausgebeutet werden. Ein weiteres Vorkommen dieser orangenfarbenen Kostbarkeiten wurde in Nigeria entdeckt. An Farbe und Brillanz sind sie den Mandarin-Granaten aus Namibia so ähnlich, dass nur der erfahrene Fachmann die feinen Unterschiede bemerkt.


Grossular, facettiert, grün und kupferfarben
Sogar gleich mehrere grüne Granatvarietäten sind bekannt. Da ist zum ersten der ''Grossular'', den die Natur in vielen feinen Farben von Gelb, Grün und Braun geschaffen hat und der wegen seiner vielen feinen Zwischentöne und Erdfarben geschätzt ist. Auch hier gab es einen spektakulären Fund: Im letzten Jahr des ausgehenden 20. Jahrhunderts wurden in Mali umfangreiche Grossular-Vorkommen entdeckt.

Bestechend ist die hohe Brillanz dieser Mali-Granate. Selbst das sonst wenig beliebte Braun wirkt lebendig und natürlich.

Der wohl bekannteste grüne Granat ist der Tsavorith oder Tsavolith der ebenfalls zur Gruppe der Grossulare gehört. Tiffany´s in New York taufte die 1967 von einem britischer Geologen namens Campbell R. Bridges im Nordosten Tansanias entdeckte smaragdgrüne Kostbarkeit auf diesen Namen - benannt nach seinem Fundort in der Nähe des wildreichen Tsavo-Nationalparks. Der Tsavorith ist von lebhaftem hellen bis samtig tiefem Grün und, wie alle Granate, von auffallend guter Brillanz.
Tsavorith


Demantoid, facettiert
Der Star unter den grünen Granaten ist der seltene Demantoid, ein Edelstein für Kenner und Liebhaber. Durch seine enorme Brillanz, die höher ist als die des Diamanten, hat Russlands Starjuwelier Karl Fabergé den brillant-grünen Granat aus dem Ural zu seinem Favoriten erklärt und verarbeitete ihn in seinen Kreationen. Er ist der wertvollste Edelstein in der Granat-Gruppe. Dank neuer Funde in Namibia gibt es den Demantoid jetzt häufiger im Edelsteinhandel.

Trotz guter Farbe und Brillanz fehlt ihnen allerdings eine winzige Kleinigkeit: Die sog. ''horsetail inclusions''. Diese feinen, büschelförmigen Einschlüsse sind das unverkennbare, typische Erkennungsmerkmale eines russischen Demantoids.

Nicht vergessen werden sollte der Uwarowit, der nach einem russischen Staatsmann benannt wurde. Seine wunderbare smaragdgrüne Farbe führt gerne zur Verwechslung mit dem teueren Smaragd. Im Schmuckhandel ist er aber in geschliffener Form nur selten zu finden, da es kaum Steine in schleifwürdiger Qualität und Größe gibt.
Uwarowit



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